»Bach-Marathon« als einer der Höhepunkte unter den vielfältigen Aktivitäten in Vistéls CelloMusikSalon

Bewundernswerter Mut zu einem faszinierenden Projekt

Am Beginn seiner inzwischen nahezu beispiellosen Karriere war Johann Sebastian Bach für den jungen kubanischen Cellisten Douglas Vistel aus Havanna noch ein ferner, fast unerreichbar erscheinender Gipfel. Er hat ihn sich während seines Studiums am Moskauer Konservatorium und danach vor allem in Berlin mit zäher Energie erobert. Wesentliche Impulse auf diesem Weg verdankte er der jungen Berliner Pianistin Almuth Kraußer, die er während des gemeinsamen Studiums in der russischen Metropole kennen und schätzen lernte und schließlich zur idealen Lebens- und Kunstpartnerin gewann. Sie haben inzwischen in einer ehemaligen Einkaufsstätte in Berlins Stadtmitte, Leipziger Straße 61, einen eigenen CelloMusikSalon ins Leben gerufen, in dem sie fast allwöchentlich öffentliche und private Konzerte mit Werken aus annähernd fünf Jahrhunderten, vom frühen Barock bis zur Gegenwart, veranstalten. Damit sorgen sie zugleich dafür, dass die einstige »Prachtstraße«, die nach der Wende viel von ihrer Anziehungskraft verlor, wieder eine wachsende Zahl interessierter Besucher findet.

Bach und seine Söhne nehmen in dem Programm des Salons längst einen festen Platz ein und gewinnen von Jahr zu Jahr an packender Wirkung. Vom 19. bis 22. März dieses Jahres veranstaltete das »Duo Cello Capriccioso« im Blick auf Johann Sebastians 229. Geburtstag erneut BACHTAGE mit den sechs Suiten für Violoncello solo BWV 1007 – 1012 und den drei Sonaten für obligates Cembalo und Viola da gamba BWV 1027 – 1029 in einer durchaus überzeugenden Übertragung für Violoncello und Klavier. Die ersten Tage brachten jeweils ein Abendkonzert mit drei Werken wechselnder Besetzung. Der letzte Tag steigerte noch einmal die Eindrücke mit der Wiederholung des Gesamtprogramms in einem einzigen BACH-MARATHON von nahezu sechs Stunden mit zwei sehr anregenden Gesprächs- und Nachdenkpausen.

Weit über frühere Begegnungen hinaus gewachsen und gereift

Einhellig zu bewundern bleibt, dass sich die beiden hochbefähigten Künstler noch beträchtlich über ihre früheren Interpretationen von Werken Johann Sebastian Bachs hinaus gewachsen und gereift zeigten und weit in die Tiefendimensionen der neun Werke einzudringen vermochten. Nicht weniger außergewöhnlich erscheint, dass sie ihre Fähigkeiten im abschließenden Marathon noch von Stunde zu Stunde ohne jede Ermüdungserscheinung zu steigern vermochten. Einzigartiges leistete Douglas Vistel aber auch, indem er jedes der von ihm dargebotenen Werke auswendig beherrschte – eine Gabe, die immer wieder in seinen Konzerten zu erleben ist, ganz gleich, welchem Komponisten er sich widmet.

Wir können nur wünschen, dass die bewunderungswürdigen Initiativen des Vistel-Duos in ihrem Umfeld künftig noch breiteren Zuspruch finden. Auch sollte es möglich sein, dass die beiden wahrhaft begnadeten Künstler die Möglichkeit finden, ihre phänomenalen Leistungen in Tonaufnahmen festzuhalten und weit über ihren Berliner Wirkenskreis hinaus im In- und Ausland bekannt zu machen.

 

Wolfgang Hanke

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