Über Maria Brigitte Hanke

Kultur-Journalistin

Händels Zauberoper „Alcina“ am Staatstheater Cottbus ins Kaufhaus der „goldenen 20er Jahre“ verbannt

Am 14 März erlebte die, als „wohl schönste und anspruchsvollste Händeloper“ bezeichnete „Alcina“, ein Spätwerk des  Großmeisters der Barockmusik, nach 280 Jahren ihrer Londoner Uraufführung im Cottbuser Jugendstiltheater eine von der Regie nicht immer stimmige, jedoch einfühlsam und brillant musizierte, sängerisch überzeugende, tänzerisch packende und von daher beeindruckende Erstaufführung unter dem Dirigat des neuverpflichteten Ivo Hentschel mit Leila Salome Fischer in der Titelrolle.

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Bewundernswertes Engagement: Die Initiatorin und Leiterin des Berliner Festivals „Intonations“: Elena Bashkirova

Ein Name, der sich fest in das Gedächtnis aller an Musik Interessierten einprägen sollte: Elena Bashkirova. In Moskau geboren und von ihrem aus der georgischen Metropole Tiflis (Tbilissi) stammenden Vater Dmitri Bashkirov in seiner Meisterklasse am Tschaikowski-Konservatorium zur Klaviersolistin, Kammermusikpartnerin und Liedbegleiterin von hohem Rang ausgebildet, engagiert sie sich nicht nur mit profunder Sachkenntnis für das klassische und romantische Repertoire, sondern setzt sich auch mit großer Intensität für das Gegenwartsschaffen ein, aus dem sie eine ganze Reihe von Werken zur Uraufführung gebracht hat.

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Wer war Rembrandt Bugatti?

Weltweit erste museale Einzelausstellung eines vergessenen Bildhauers des frühen 20. Jahrhunderts in der Alten Nationalgalerie zu Berlin

Sie ziehen den Betrachter schon von weitem in den Bann, die gelben  Fahnentücher  mit den schwarzen Versalien: REMBRANDT BUGATTI. Wer steckt hinter dem Künstler, dessen Name in so großen Lettern den Eingang zur Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel säumt? In den einschlägigen Lexika suchen wir vergebens. Nur eine Randfigur der Kunstgeschichte, die zu huldigen man sich anschickt? Keinesfalls! Rembrandt Bugattis Werke gehören zwar zu den teuersten der Welt und befinden sich vorwiegend in Privatbesitz. Das schmälert jedoch keinesfalls den „Bildhauer mit Ausnahmetalent“, den „Impressionisten der Skulptur“, einen gleich van Gogh obsessiven und von Zweifeln getragenen Künstler, der an den Grausamkeiten des 1.Weltkrieges zerbrach und dessen kurzes künstlerisches Wirken wir bedauern müssen. Er nahm sich 1916 in seinem Atelier in Paris das Leben. Kurz vor seinem Tod entstand die tief berührende Bronzefigur „Christus am Kreuz“, die im Caspar-David-Friedrich-Raum im 3. Obergeschoss der Alten Nationalgalerie den Blick auf sich zieht. Es ist ein Auftragswerk des französischen Grafen de Gramont. In dem die Ausstellung begleitenden sehr informativen Katalogband heißt es dazu: „Angesichts von Krieg und nahem Tod drängt es sich auf, seinen Christus am Kreuz als Abschiedswerk zu sehen, das Rückschlüsse auf seine Verfassung zuzulassen scheint.“ Da war Franz Marc bereits vor Verdun gefallen

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Auf Richard Wagners Spuren in Thüringen

Prägende Stationen seines Lebensweges und umfangreiche Gedenkveranstaltungen zu seinem 200. Geburtstag

An den umfangreichen Gedenkveranstaltungen zum bevorstehenden 200. Geburtstag Richard Wagners, die sich über das gesamte gegenwärtige Jahr erstrecken, nimmt auch Thüringen vielgestaltigen Anteil. Es zählte nicht zu den Heimatregionen des in Leipzig Geborenen und in Dresden Aufgewachsenen und sah ihn nur gelegentlich als Gast, hat seinem Schaffen aber dennoch bedeutungsvolle Anstöße gegeben. Noch heute nimmt es – wie schon in den vergangenen 150 Jahren – in der Pflege seines Werkes einen herausragenden Platz ein.

Zu Wagners erster Begegnung mit Thüringen kam es 1834, als er als Musikdirektor einem Magdeburger Theaterensemble angehörte und mit ihm während der Sommerspielzeit in Bad Lauchstädt und Rudolstadt gastierte. Die Fahrt zwischen den beiden Gastspielorten führte ihn erstmals nach Weimar, das er allerdings nach eigener Aussage „ohne Ergriffenheit“ durchfuhr. Tiefer berührte ihn acht Jahre später auf der Rückkehr von einem längeren Aufenthalt in Paris der Blick auf die Wartburg. Er gab ihm den Anstoß, sich eingehender mit dem Sagenkomplex um Tannhäuser und den Sängerkrieg auf der Wartburg zu beschäftigen, dem er zuvor schon bei der Lektüre einer von Ludwig Tiecks Erzählungen begegnet war.

Im Mai 1840 erhielt Weimar für Wagner herausragende Bedeutung, als er sich nach der Teilnahme am Dresdner Maiaufstand auf der Flucht befand. Er gewann hier Franz Liszt, der seit dem vorangegangenen Jahre das Amt des Hofkapellmeisters in der Goethe-Stadt innehatte und mit seiner Lebensgefährtin Marie d´Agoult in der Altenburg residierte, als verlässlichen Freund und „Fluchthelfer“. Der nur eineinhalb Jahre Ältere sorgte dafür, dass sich Wagner nach der Veröffentlichung des Steckbriefs zunächst in einer nahe gelegenen Kleinstadt, Magdala, vor seinen Verfolgern verbergen konnte, und verschaffte ihm alsbald einen falschen Pass, der ihm die Ausreise nach der Schweiz ermöglichte. Bereits ein Jahr später brachte er am Weimarer Hoftheater auf Wagners ausdrückliche Bitte dessen Oper „Lohengrin“ zur Uraufführung, die in Dresden durch die politischen Widrigkeiten unmöglich geworden war.

Bevor Wagner auf dem Weg in das Schweizer Exil Thüringen verließ, war es ihm noch möglich, Eisenach und die Wartburg aufzusuchen und die Gastfreundschaft der Weimarer Großherzogin, der Zarentochter Maria Pawlowna, bei einem Empfang im Eisenacher Schloss zu genießen. Nachdem es ihm wieder möglich war, sich in Deutschland aufzuhalten, wandten sich seine Interessen erneut Thüringen zu. 1861 nahm er in Weimar am 2. Musikfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins teil. Eine Zeitlang dachte er an Weimar sogar als mögliches Festspielzentrum für seine Nibelungen-Dramen. Ein geeigneter Platz für das Festspielhaus war bereits ausgewählt. Zu seiner Errichtung kam es aber nicht, weil durch den jungen Bayern-König Ludwig II. zunächst München und schließlich Bayreuth in den Brennpunkt rückten. Die Beziehungen zu Thüringen rissen aber nicht ab, weil auch dessen kulturelle Zentren alle Kräfte sammelten, eine intensive Wagner-Pflege aufzubauen.

Davon legen die umfangreichen Aktivitäten des gegenwärtigen Gedenkjahres eindrucksvoll Zeugnis ab. Sie konzentrieren sich nicht nur auf Weimar und Eisenach, wo u.a. im Festsaal der Wartburg mehrmals „Tannhäuser“ konzertant zu erleben ist und in dem von dem Dichter Fritz Reuter erworbenen und bis zu seinem Tod 1874 bewohnten repräsentativen Villenhaus ausgewählte Exponate der 1895 von einem Wiener Wagner-Verehrer erworbenen umfassenden Dokumentensammlung zu Leben und Schaffen des Komponisten, der zweitgrößten nach den Bayreuther Beständen, gezeigt werden.

Mühlhausen eröffnete das Wagner-Jahr an der Orgel der St. Marien-Kirche mit einst viel gespielten Adaptionen aus Wagner-Opern. Meiningen, wo Wagner 1877 in Gemeinschaft seiner zweiten Frau Cosima, der Tochter Franz Liszts, in dem künstlerisch vielseitig interessierten „Theaterherzog“ Georg II. einen verständnisvollen Gesprächspartner fand, präsentiert das gesamte Jahr über in seinem erst kürzlich sanierten und großzügig erweiterten Theater Werke Wagners, darunter seine frühe Oper „Das Liebesverbot“, und ein neues Schauspiel von Reinhard Baumgart, „Wahnfried – Bilder einer Ehe“. Das Meininger Theatermuseum zeigt aufwändig gestaltete Ausstattungsstücke von glänzenden Inszenierungen des einstigen Hoftheaters. Sondershausen bietet Ende Juni im Rahmen der Thüringer Schlossfestspiele eine Neuinszenierung des „Fliegenden Holländers“ unter Mitwirkung des Loh-Orchesters, das einst als Hofkapelle nachdrücklich zum Durchbruch von Wagners und Liszts Werken beitrug. Auch Jena, Saalfeld und Rudolstadt beteiligen sich an den Ehrungen des gegenwärtigen Jubiläumsjahres, über die eine im vergangenen Jahr von der Thüringer Tourismus GmbH in Erfurt herausgegebene Broschüre „Richard Wagner in Thüringen. Aufbruch in die Moderne“ ausführlich unterrichtet.

Friedrich der Große und Graf Brühl – Geschichte einer Feindschaft

Drei Ausstellungen im Marstall des Pückler-Schlosses Branitz, in der einstigen Brühl-Residenz Pförten/Brody und der Forster Stadtkirche geben umfangreiche Aufschlüsse

von Maria-Brigitte und Wolfgang Hanke

1730 hatte Kronprinz Friedrich dem elf Jahre älteren Heinrich von Brühl noch überschwänglich applaudiert, als ihm der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. für das aufwändige Arrangement des „Zeithainer Lagers“ Preußens höchste Auszeichnung, den Schwarzen Adler-Orden, verlieh. Gut ein Jahrzehnt später, nachdem er selbst in der Nachfolge seines verstorbenen Vaters zum preußischen König gekrönt worden war, stand er ihm in erbitterter Feindschaft gegenüber. Den Konflikt ausgelöst hatten seine Bestrebungen, Schlesien zu erobern und möglichst auch Einfluss auf Sachsen zu gewinnen. Er verschärfte sich vollends seit 1756 im Siebenjährigen Krieg, dem 1740/42 und 1745 bereits erste „Schlesische“ Kriege zwischen Preußen, Sachsen und Österreich vorausgegangen waren.

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Der Monarch und „sein“ Maler

Das Bild Friedrich des Großen bei Adolph Menzel – Ausstellung in der Alten Nationalgalerie

Die Namen Friedrich II. und Adolph Menzel sind eng miteinander verknüpft. Und das, obwohl den Monarchen und den Maler ein ganzes Jahrhundert trennt. Doch prägen vielfach noch heute Menzels Arbeiten unser Friedrichsbild. Der noch junge Künstler erfindet das Thema nicht neu. Er nimmt es nur auf, von Pesne und Chodowiecki. Ihre Werke bilden den Prolog der Ausstellung in der Alten Nationalgalerie.

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Charlottengrad und Scheunenviertel

Berlin Transit – Einprägsame Ausstellung über die Migranten aus Osteuropa im Jüdischen Museum Berlin

Verheerende Pogrome hatten die einst in Osteuropa lebenden Juden nicht erst durch die deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg zu erleiden. Bereits vor 1900 kam es in der Ukraine, im russisch verwalteten Polen, Litauen und Lettland immer wieder zu Übergriffen, Massenmorden und Vertreibungen, die sich nach den Revolutionen von 1905 und 1917 noch verschärften. Viele der Vertriebenen suchten in Deutschland, ganz besonders in Berlin, Zuflucht, mussten hier aber schon bald vor dem Terror des NS-Regimes erneut die Flucht ergreifen, wenn es ihnen überhaupt gelang, ihr Leben zu retten.

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