Wolfgang Hanke: Musikkritiker, -wissenschaftler, Autor und Journalist!

Wolfgang Hanke (1930 — 8.12.2014), aktiv bis zuletzt. Das warst du! Vorbild und Motor für uns alle. Liebender Familienvater, Wissenschaftler, Autor, Musiker, gründlicher Rechercheur, Kirchenmusikexperte.

Manchmal fehlen die Worte. Du fehlst in unserem Team!

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In Trauer
Maria-Brigitte und Johann-Christian Hanke

Hinreißend musizierte Entdeckungen: Die Berliner Ökumenische Seniorenkantorei sang Magnificat

Die Berliner Ökumenische Seniorenkantorei sang unter KMD Konrad Winkler Magnificat-Vertonungen des 17. und 18. Jahrhunderts

Man kann nur mit tiefem Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass eins der packendsten, musikgeschichtlich bedeutungsvollsten Berliner Kirchenkonzerte der letzten Wochen völlig unverdient einen denkbar geringen Zuspruch fand. Erschwerend kam hinzu, dass die Raum-Akustik der Corpus-Christi Kirche unter der schwachen Besetzung der Bankreihen litt. Glücklicherweise waren die von daher nur schwer verständlichen Texte des lateinischen Originals und seiner deutschen Übertragung im Programmblatt abgedruckt und damit ausnahmslos nachvollziehbar. Der von seinem Kantor vorzüglich geschulte Chor, die vier Gesangssolisten Susanne Hammer, Irene Schneider, Volker Nietzke und Tobias Hammer, das Kammerorchester „musica sequenza“ und Dr. Dietmar Hiller an der Truhenorgel hätten aber in jedem Fall eine weitaus größere Zahl  interessierter Zuhörer verdient.

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Isang Yun bleibt im Brennpunkt

Die Internationale Isang Yun Gesellschaft, die 1996, wenige Monate nach dem Tod des längst weltweit hochgeschätzten koreanischen Komponisten, ins Leben gerufen wurde, setzt ihre umfangreichen Intentionen zur Erforschung und Pflege seines Schaffens konsequent fort. Wenn auch nicht mehr so oft wie in vergangenen Jahren, sind nach wie vor in Berlin und vielen weiteren Orten Konzerte zu erleben, die jeweils mitgeschnitten und in CD-Produktionen veröffentlicht werden.

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16. Internationales Orgel- und Kammermusik-Festival in Lubsko und Forst (Lausitz)

Festliche Musik aus fünf Jahrhunderten: Packende Eindrücke vom 16. Internationalen Orgel- und Kammermusik-Festival in Lubsko und Forst (Lausitz)

Bereits zum 16. Mal lud die kleine, aber geschichtlich nicht unbedeutende polnische Stadt Lubsko, das einstige Sommerfeld, nur etwa 25 Kilometer von der Neißegrenze entfernt, in der zweiten Augusthälfte zu einem Internationalen Orgel- und Kammermusik-Festival ein. In vier Konzerten waren wiederum herausragende Interpretinnen und Interpreten zu erleben, die mit einer einzigen Ausnahme, dem sächsischen Organisten, Dirigenten und Komponisten Franns-Wilfrid von Promnitzau, in Polen beheimatet sind. Eröffnet wurde das Festival erstmals diesseits der Neiße, in der St. Nikolaikirche am Marktplatz von Forst (Lausitz), dem Zentrum des Spree-Neiße-Kreises. Zwei junge Künstlerinnen aus Poznan, Natalia Hyzak und Aleksandra Bryla, bewährten sich hier mit drei der sechs Sonaten für Cembalo und Violine von Johann Sebastian Bach. Der bereits erwähnte Gast aus Sachsen spielte an der Eule-Orgel gleichfalls Werke von Bach und ein selten zu hörendes Solo von Georg Philipp Telemann.

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Abheben mit Musik: 35 Brandenburgische Sommerkonzerte an 33 Orten zwischen Prignitz, Uckermark und Lausitz

Die Pressekonferenz zur Vorschau auf die Brandenburgischen Sommerkonzerte dieses Jahres fand an einem ungewöhnlichen Ort statt: In einem neu errichteten großräumigen Bürogebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg, der noch immer auf seine Eröffnung wartet. Hier soll am 10. August unter dem Motto »Abheben mit Musik« auf der zentralen Terminalvorfahrt das zwanzigste der insgesamt 35 diesjährigen Sommerkonzerte stattfinden und sozusagen ein lautstarkes Signal dafür geben, dass der Flugbetrieb endlich aufgenommen werden möchte. Als Ausführende eingeladen wurden die Big Band der Deutschen Oper Berlin unter Manfred Honetschläger und der Sänger Marc Secara, der zu den herausragenden Vertretern des Jazz-Entertainments zählt. Auf dem Programm stehen Opernmelodien von Richard Wagner, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini in BigBand-Arrangements und einige »all time Favourites« der Jazzgeschichte.

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Glashof – geschaffen von Daniel Libeskind

Mit seinem »Glashof« besitzt das Berliner Jüdische Museum eine Konzertstätte ganz eigener Art

Berlin fehlt es nicht an Räumlichkeiten für Konzerte. Ein Neuetablissement kann sich aber durchaus als echte Bereicherung erweisen. So geschah es mit dem »Glashof«, den der USA-amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert zusammen mit dem phänomenalen Erweiterungsbau des Berliner Jüdischen Museums in dem dreiflügeligen Barockgebäude des einstigen Kammergerichts etablierte. Es schien zunächst, als würde das monumentale Glasdach mit den wie Baumwipfel verzweigten avantgardistischen Säulen, mit denen Libeskind den ausgedehnten Innenhof zwischen den drei Flügeln des historischen Gebäudes überwölbte, die akustischen Voraussetzungen für musikalische Darbietungen erheblich beeinträchtigen. Das geschah auch zunächst. Durch schallschluckende Vorhänge und Paravents konnten die Probleme aber schließlich weitestgehend bewältigt werden.

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Der dritte Jahrgang des Kammermusik-Festivals „Intonations“ im Glashof des Berliner Jüdischen Museums

Mit unverwechselbar eigener Note

Elena Bashkirova - Festivalleiterin und Pianistin © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Monika Rittershaus

Elena Bashkirova – Festivalleiterin und Pianistin
© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Monika Rittershaus

Kammermusikfestivals gewinnen gegenwärtig wieder zunehmend an Bedeutung und internationaler Ausstrahlungskraft. Eine ganz besondere, unverwechselbar eigene Note haben die beiden Festivalzyklen gewonnen, die Elena Bashkirova 1998 in Jerusalem und 2012 im Berliner Jüdischen Museum ins Leben rief und seitdem Jahr für Jahr mit jeweils neuen Initiativen weiterführt. Berlin erlebte vom 7. bis 11. Mai das dritte der „Intonations“ betitelten Festivals. In einem seiner Brennpunkte stand der 150. Geburtstag von Richard Strauss, der neben seinen französischen Zeitgenossen Claude Debussy und Maurice Ravel als einer der Wegbereiter der Musik des vergangenen Jahrhunderts gewürdigt, aber auch in der Vielgestaltigkeit seines umfangreichen Schaffens aus rund sieben Jahrzehnten beleuchtet wurde. Ein besonderes Gedenken galt dem Ausbruch des ersten Weltkriegs vor hundert Jahren.

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„Schadow lebt und wir mit ihm“: Johann-Gottfried-Schadow-Ausstellung im Berliner Ephraim-Palais

Umfangreiche Ausstellung im Ephraim-Palais und viele weitere Gedenkveranstaltungen zu seinem 250. Geburtstag

Am 20. Mai jährt sich zum 250. Male der Geburtstag des bedeutendsten Berliner Bildhauers an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert: Johann Gottfried Schadow. Ihm wird aus diesem Anlass eine Vielzahl von Gedenkveranstaltungen gewidmet, die über sein Leben und Schaffen, seine Persönlichkeit, seine vielseitigen Interessen und sein Umfeld Aufschluss geben und den gegenwärtigen Stand der Schadow-Forschung beleuchten. Einleitend eröffnete das Berliner Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit der vor zwei Jahrzehnten ins Leben gerufenen Schadow Gesellschaft Berlin e.V. bereits Ende Februar im Ephraim-Palais eine umfangreiche Ausstellung, deren besonderes Anliegen ihr vielsagender Titel „U n s e r  Schadow“ ausspricht. Sie wird im benachbarten Knoblauchhaus begleitet von einer Kabinettausstellung zum Thema „Schadows Berlin“ und steht in bemerkenswerter Parallele, aber auch in eindeutigem Kontrast zu der Gedenkausstellung für den bedeutendsten Berliner Baumeister und Bildhauer des Barock, Andreas Schlüter, die aus Anlass seines 300. Todestages im Bode-Museum gezeigt wird.

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Wer war Rembrandt Bugatti?

Weltweit erste museale Einzelausstellung eines vergessenen Bildhauers des frühen 20. Jahrhunderts in der Alten Nationalgalerie zu Berlin

Sie ziehen den Betrachter schon von weitem in den Bann, die gelben  Fahnentücher  mit den schwarzen Versalien: REMBRANDT BUGATTI. Wer steckt hinter dem Künstler, dessen Name in so großen Lettern den Eingang zur Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel säumt? In den einschlägigen Lexika suchen wir vergebens. Nur eine Randfigur der Kunstgeschichte, die zu huldigen man sich anschickt? Keinesfalls! Rembrandt Bugattis Werke gehören zwar zu den teuersten der Welt und befinden sich vorwiegend in Privatbesitz. Das schmälert jedoch keinesfalls den „Bildhauer mit Ausnahmetalent“, den „Impressionisten der Skulptur“, einen gleich van Gogh obsessiven und von Zweifeln getragenen Künstler, der an den Grausamkeiten des 1.Weltkrieges zerbrach und dessen kurzes künstlerisches Wirken wir bedauern müssen. Er nahm sich 1916 in seinem Atelier in Paris das Leben. Kurz vor seinem Tod entstand die tief berührende Bronzefigur „Christus am Kreuz“, die im Caspar-David-Friedrich-Raum im 3. Obergeschoss der Alten Nationalgalerie den Blick auf sich zieht. Es ist ein Auftragswerk des französischen Grafen de Gramont. In dem die Ausstellung begleitenden sehr informativen Katalogband heißt es dazu: „Angesichts von Krieg und nahem Tod drängt es sich auf, seinen Christus am Kreuz als Abschiedswerk zu sehen, das Rückschlüsse auf seine Verfassung zuzulassen scheint.“ Da war Franz Marc bereits vor Verdun gefallen

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Markus Passion von Reinhard Keiser: Geniales Werk aus dem frühen Umfeld Johann Sebastian Bachs

Die Berliner Ökumenische Seniorenkantorei hinterließ unter KMD Konrad Winkler zwingende Eindrücke mit der Reinhard Keiser zugeschriebenen Markus-Passion

Mit der Ökumenischen Seniorenkantorei besitzt Berlin eine Chorgemeinschaft von ungewöhnlichem Rang. Sie wurde im Januar 2006 von Michael Witt ins Leben gerufen, der im Juli zuvor nach mehr als zwei Jahrzehnten segensreichen Wirkens als Domkapellmeister an der St. Hedwigs-Kathedrale in den aktiven Ruhestand getreten war. Er sammelte um sich noch voll leistungsfähige ehemalige Mitglieder einiger der führenden Berliner Kirchenchöre und konnte sich mit ihnen sehr bald eindrucksvoll nicht nur in Berlin, sondern des öfteren auch auf zum Teil ausgedehnten Chorfahrten in Gottesdiensten und Konzerten hören lassen. Am 21. März 2012 starb er nach langer schwerer Erkrankung im Alter von erst 72 Jahren. Mit Kirchenmusikdirektor Konrad Winkler fand er einen gleichfalls hochbefähigten Nachfolger, der seine Arbeit seit Januar des vergangenen Jahres würdig und ideenreich fortführt. Er war zuvor geraume Zeit als Kantor und Organist an der Friedenskirche in Berlin-Niederschönhausen und Kreiskantor des Kirchenkreises Pankow tätig und konnte umfangreiche Erfahrungen in der kirchenmusikalischen Arbeit, nicht nur mit der jungen Generation, gewinnen. Sein besonderes Interesse gilt der Wiedererschließung selten zu hörender oder gänzlich vergessener Werke der Musica sacra des 17. und 18. Jahrhunderts, die er mit der Seniorenkantorei und leistungsfähigen Musikern packend zum Erklingen bringt.
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