Musica sacra aus sechs Jahrhunderten

Der Berliner Rundfunkchor bringt in der neuen Spielzeit mehr als 40 geistliche Werke zur Aufführung.

Mit dem Rundfunkchor, dessen wechselvolle Geschichte bis 1925 zurückreicht, und dem 23 Jahre später gegründeten RIAS-Kammerchor besitzt Berlin zwei Sängervereinigungen, die weltweit zur absoluten Spitzenklasse zählen. Von ihnen sind alljährlich auch wegweisende Aufführungen geistlicher Werke zu erleben. Der ältere der beiden Chöre singt bereits zur Eröffnung der neuen Spielzeit am 4. September in der Philharmonie mit dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam unter Mariss Jansons zwei Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts: Igor Strawinskys Psalmensinfonie und »Ein Überlebender von Warschau« von Arnold Schönberg. Elf Tage später folgt unter dem Motto »Kreuzberg trifft Amerika« ein Wandelkonzert an drei Stationen mit Werken u.a. von Randall Thompson, Aaron Copland, Elliot Carter und David Lang, das am Abend in der Heilig-Kreuz-Kirche unter dem Chefdirigenten des Chores, Simon Halsey, mit Psalmvertonungen von Leonard Bernstein und Charles Ives seinen Abschluss findet.

Klagegesänge des Jeremias aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert von Giacomo Carissimi, Johann Rosenmüller und Francois Couperin stehen im 1. Kammermusikpodium am 23. September im Brennpunkt. Am 12. November vereinen sich der Chor des Deutschen Bundestages, Mitglieder des Rundfunkchores und der aus Führungskräften von Wirtschaft und Gesellschaft zusammengesetzte »Leaderchor 2012« unter Halsey zur Aufführung von Joseph Haydns Missa brevis Sancti Joannis de Deo und kirchenmusikalischen Werken von Bruckner, Mokranjac, Monteverdi, Mozart, Rheinberger, Rutter und Saint-Saens. Weitere Aufführungen von Strawinsky Symphonie de Psaumes folgen am 18., 20. und 21. Dezember mit der Berliner Philharmonie unter Kirill Petrenko und am 10. Februar 2013 neben Max Regers 100. Psalm unter Marek Janowski mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.

Das festliche Weihnachtskonzert im Berliner Dom unter Kaspar Putnins bringt am 22. Dezember die Messe von Frank Martin, Benjamin Brittens »A Ceremony of Carols« , »Four“ von John Cage und den Choral »Es ist ein Ros entsprungen« in Bearbeitungen von Michael Praetorius und dem schwedischen Gegenwartskomponisten Jan Sandström. Zu einem Mitsingkonzert mit Georg Friedrich Händels »Messias« laden der Rundfunkchor unter seinem Chefdirigenten und das Rundfunk-Sinfonieorchester am 20. Januar um 16 Uhr in die Philharmonie ein. Wenige Tage später wirkt der Chor unter Louis Langrée an drei Abenden in der Philharmonie in Mozarts Kantate »Davidde penitente« mit. Am »Festival Russland« beteiligt er sich unter Putnins am 17. Februar im Konzerthaus mit Sergej Rachmaninows abendfüllender Vesperliturgie. Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms mit vierhändiger Klavierbegleitung dirigiert Simon Halsey am 19., 20., 24. und 25. Mai im Radialsystem. Am 26. Mai stellen sich Mitglieder des Rundfunkchores mit eigenen Kompositionen vor, unter ihnen Jörg Schneider mit der Uraufführung von Sprüchen und Psalmen für Sopran und Streichquartett.

Vokalmusik aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit Werken von Schütz, Schein, Hammerschmidt, dem Berliner Nikolaikantor Crüger, Viadana, Gabrieli, Monteverdi u.a. ist am 9. Juni im Schloss Friedrichsfelde zu erleben. Abschließend vereinen sich am 14., 15. und 16. Juni Rundfunkchor, Staats- und Domchor und Philharmoniker unter Simon Rattle mit dem War Requiem von Benjamin Britten im Gedenken an dessen Uraufführung vor 50 Jahren zur Wiedereinweihung der im Zweiten Weltkrieg von deutschen Bombenflugzeugen zerstörten Kathedrale von Coventry.

Insgesamt verzeichnet das Programmbuch der neuen Spielzeit 2012/13 annähernd 50 Berliner Konzerte, in denen der Rundfunkchor präsent ist. Neun von ihnen bestreitet er selbst. Hinzu kommen zehn Gastkonzerte beim Usedomer Musikfestival in Peenemünde, in Bamberg und bei den Osterfestspielen in Baden-Baden. Ausführlich nachzulesen ist in der umfangreichen Broschüre auch über die vom Rundfunkchor und seinem derzeitigen Leiter angeregte Education-Initiative »SING!«, durch die in wachsender Zahl Berliner Schüler mit dem Singen vertraut gemacht und an eine beziehungsvolle Chorarbeit herangeführt werden – ein verdienstvolles Unternehmen, das zweifellos auch für den Sängernachwuchs kirchlicher Chöre große Bedeutung gewinnen wird.

 

Wolfgang Hanke

Über die gleichfalls sehr umfangreichen Vorhaben des RIAS-Kammerchores für die neue Spielzeit wird in einem weiteren Beitrag berichtet.

 

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