Abheben mit Musik: 35 Brandenburgische Sommerkonzerte an 33 Orten zwischen Prignitz, Uckermark und Lausitz

Die Pressekonferenz zur Vorschau auf die Brandenburgischen Sommerkonzerte dieses Jahres fand an einem ungewöhnlichen Ort statt: In einem neu errichteten großräumigen Bürogebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg, der noch immer auf seine Eröffnung wartet. Hier soll am 10. August unter dem Motto »Abheben mit Musik« auf der zentralen Terminalvorfahrt das zwanzigste der insgesamt 35 diesjährigen Sommerkonzerte stattfinden und sozusagen ein lautstarkes Signal dafür geben, dass der Flugbetrieb endlich aufgenommen werden möchte. Als Ausführende eingeladen wurden die Big Band der Deutschen Oper Berlin unter Manfred Honetschläger und der Sänger Marc Secara, der zu den herausragenden Vertretern des Jazz-Entertainments zählt. Auf dem Programm stehen Opernmelodien von Richard Wagner, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini in BigBand-Arrangements und einige »all time Favourites« der Jazzgeschichte.

Kontrastreiche Akzente, die die gegenwärtigen Sommerkonzerte sehr eindrucksvoll prägen, kennzeichneten bereits das Eröffnungskonzert am Vortag des Pfingstfestes in der Potsdamer Erlöserkirche mit dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus unter seinem in den USA beheimateten Generalmusikdirektor Evan Christ. Er führte die Hörer mit Aaron Coplands »Appalachian Spring«, dem unlängst entstandenen Auftragswerk »Miniatur« von Luis Antunes Pena und Nikolaj Rimskij-Korsakows »Scheherezade« von »den bewaldeten Höhen der Appalachen bis in die phantasievolle orientalische Märchenwelt von 1001 Nacht«, wie in der Programmbroschüre zu lesen ist. Das Abschlusskonzert am 7. September im Brandenburger Dom St. Peter und Paul mit der Kammerakademie Potsdam unter Daniel Giglberger und dem Solo-Cellisten Jan Vogler ist im Gegensatz mit Werken von Carl Philipp Emanuel Bach, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart ganz der frühen Klassik gewidmet.

Festkonzerte zur Brandenburgischen Landesausstellung

Als weitere herausragende Höhepunkte seien zwei Festkonzerte zur Brandenburgischen Landesausstellung in Doberlug-Kirchhain genannt. Am 5. Juli ist das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter seinem Chefdirigenten Tugan Sokhiev open air im Park des Zisterzienserklosters Doberlug zu erleben mit Ludwig van Beethovens 5. Klavierkonzert, dessen Solopartie der hochbefähigte junge Pianist Igor Levit übernimmt, und der 4. Sinfonie von Johannes Brahms. Am 31. August spielt das 1996 von Musikern des Gewandhausorchesters gegründete Kammerensemble Sinfonietta Leipzig in der Zisterzienserkirche unter dem Motto »Preußisch-Sächsische Legenden« Beethovens Septett und Werke von Hugo Kaun und Giacomo Meyerbeer.

Neben dem Flughafen Berlin Brandenburg wurden in diesem Jahr fünf weitere Orte in das Programm des Konzertzyklus aufgenommen, der unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke vom Vorsitzenden des Vereins Brandenburgische Sommerkonzerte e.V., Dr. Thomas Schmidt-Ott, und Joachim Pliquett geleitetet wird. In der Pauluskirche Berlin-Zehlendorf mit ihren zwei bedeutungsvoll nach Vorbildern des Barock und Frankreichs neu errichteten Orgeln beginnt am 17. August eine »Brandenburgische Orgelreise«, die weitere Konzerte und Kirchenführungen in Treuenbrietzen, Bad Belzig, Klein Glien und Baruth einschließt. Bereits am 19. Juli lädt der Spree-Neiße-Kreis zu einem »Brandenburgischen Dorfkirchenkarussell« in die Dorfkirchen Heinersbrück, Jänschwalde und Drewitz mit Orgel- und Kammermusik ein. Die Kreisstadt Forst (Lausitz) erlebt am 23. August in der St. Nikolai-Kirche ihr erstes Brandenburgisches Sommerkonzert mit den »14 Berliner Flötisten«, hat mit ihrem Ostdeutschen Rosengarten, der im vergangenen Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiern konnte, dem Textilmuseum und einem Ausflug in das Brühl-Schloss Brody jenseits der Neiße mit seinem ausgedehnten Berg- und Seepark aber auch noch manches mehr zu bieten.

Besichtigungen, Führungen, Museumsbesuche und Gespräche mit Künstlern

Vieles Interessante und Lohnende wäre in diesem 24. Jahrgang der Brandenburgischen Sommerkonzerte noch zu nennen, nicht nur im Blick auf die ebenso reichen wie vielgestaltigen musikalischen Darbietungen. Mit jedem Konzert sind Besichtigungen, Führungen, Museumsbesuche, Spaziergänge und nicht zuletzt anregende Gespräche mit den Künstlern verbunden. Überall sorgen die Gastgeber auch für einladend zubereitete Kaffeetafeln, deren Erlös vor allem der Denkmalpflege vor Ort, der Erhaltung und Wiederherstellung der Kirchen und Schlossbauten zugute kommt, in denen die Konzerte stattfinden. Alles hat freilich seinen Preis. Da die Veranstalter keine staatliche Förderung in Anspruch nehmen und die Zuwendungen der Partner, Sponsoren und Förderer – genannt seien vor allem die brandenburgischen Sparkassen – nicht ausreichen, sind selbst die Eintrittskarten der niedrigsten Preisgruppen nicht unter 16 Euro zu bekommen. Die höchste der zumeist vier Preisgruppen bewegt sich je nach dem Veranstaltungsort und der Zahl der Mitwirkenden zwischen 44 und 59 Euro. Die zusätzlichen Angebote müssen gesondert beglichen werden. Relativ günstig bezahlbar ist der Bustransfer hin und zurück, der für jede Veranstaltung mit Start und Ziel am Fehrbelliner Platz angeboten wird.

Alles Wissenswerte und –notwendige über das 24. Jahr der Brandenburgischen Sommerkonzerte ist in der reich illustrierten Programmbroschüre nachzulesen, die sämtliche Veranstaltungen mit ihren Mitwirkenden und Programmen vorstellt und erläutert. Wenigstens auf einige herausragende Ereignisse sei hier noch hingewiesen. An fünf Wochenenden gehen den Konzerten Lesungen zum Thema »Unentdecktes Brandenburg in Wort und Schrift« voraus. »Bekannte Autoren und renommierte Literaturkritiker sind eingeladen, ihre Werke oder Lieblingslektüre vorzustellen, die sich mit bekannten und weniger bekannten Aspekten der Brandenburgischen Kulturgeschichte beschäftigen«, erfahren wir aus der Programmbroschüre. Am 14. Juni ist im Trausaal des Calauer Rathauses Rolf Schneider zu erleben mit »einem Panorama mittelalterlicher Lebenswirklichkeit in Berlin und Brandenburg«. Das anschließende Konzert in der Calauer Stadtkirche vereint die Cellistin Anna Carewe und Oli Bott am Vibraphon mit Werken von Diego Ortiz, Antonio Vivaldi, Johann Sebastian Bach, Georges Bizet, Edvard Grieg und Astor Piazzolla. Am 27. Juli liest Clemens Füsers im Saal der Agrargenossenschaft von Neuküstrinchen ausgewählte Texte von Heinrich Karl Friedrich Baron de la Motte Fouqué. Zwei Stunden später singt der Windsbacher Knabenchor am gleichen Ort im Dom des Oderbruchs, von Martin Lehmann geleitet, unter Mitwirkung von Arvid Gast an der Orgel und Joachim Pliquett (Trompete) neben Volksliedern Werke von Heinrich Schütz, J.S. Bach, Gottfried August Homilius, Felix Mendelssohn Bartholdy und weiteren Komponisten.

Literarische Texte zu Brandenburgs Kulturgeschichte

Am 3. August liest Helga Schütz, Professorin an der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen, im Ratssaal des Putlitzer Amtsgebäudes aus ihrem 2013 erschienenen Roman »Sepia«, der Einblicke gibt in die Probleme und Konflikte der vergangenen Jahrzehnte. Im Anschluss rezitiert Corinna Kirchhoff im Zusammenwirken mit Ulrich Eckhardt am Klavier in der Putlitzer Stadtpfarrkirche Balladen von Richard Strauss, Robert Schumann und Franz Liszt. Am 16. August ist Inka Bach in der Paretzer Dorfkirche mit Auszügen aus ihrem 2004 erschienenen Roman einer Kindheit »Glücksmarie« und einigen ihrer »Beeskower Kolumnen« erleben, die sie als Burgschreiberin jener Stadt zu Papier brachte. Anschließend präsentiert das Hamburger Blechbläserensemble Elbeblech »Bach mal anders«. Zur letzten Lesung lädt am 7. September Claus Ulrich Bielefeldt unmittelbar vor dem Abschlusskonzert in die St. Petri-Kapelle des Doms zu Brandenburg ein. Er widmet sich dem Thema »Friedrich II. und seine Gäste«.

Kurz erwähnt werden sollen von den weiteren Konzerten wenigstens noch die »Königsmusik an den Elbtalauen« aus der Zeit Friedrichs II. in der Dorfkirche Cumlosen mit dem Ensemble Ayre Baroque am 21. Juni, das »Telgter Treffen in der Niederlausitz« am 28. Juni in der Gubener Klosterkirche  mit Helene Grass, der Tochter von Günter Grass, dem RIAS-Kammerchor unter Risto Joost und der Capella de la Torre, der »Oboenklang am Vogelparadies« am 12. Juli in der Klosterkirche St. Marien Altfriedland mit dem Kölner Ensemble CONCERT ROYAL, die »Kammermusik im Barockeldorado« in der Stiftskirche St. Marien Neuzelle am 13. Juli mit Klaviertrios von Schubert und Tschaikowsky, die »Pianomania« mit vier Flügeln am 20. Juli in der Klosterkirche Neuruppin, die »Märchen am Musenhof« am 26. Juli mit Olli Mustonen am Klavier in der Rheinsberger Laurentiuskirche, die »Barockgala im Schlosspark« mit der Cappella Istropolitana am 2. August in Stechau, »Luckau sprüht Funken« in der Nikolaikirche der gastgebenden Stadt am 9. August mit Werken des Barock und der zeitgenössischen Avantgarde, die »Musikalische Mondiale« mit dem Ensemble Berlin Counterpoint in der Rathenower St. Marien-Andreas-Kirche am 24. August und »Jazz im Maleridyll« am 30. August in der Kurt-Mühlenhaupt-Scheune des Zehdenicker Ortsteils Bergsdorf.

 

Autorenteam KulturKlassik

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