Umfangreiche Gedenkausstellung zum 300. Todestag von Andreas Schlüter im Bode-Museum

Andreas Schlüter und das barocke Berlin

Vor 300 Jahren verstarb in Sankt Petersburg einer der bedeutendsten Meister der barocken Bildhauerkunst, Architektur und Raumgestaltung, dem auch Berlin nahezu zwei Jahrzehnte, von 1694 bis 1713, bedeutende Impulse für seine städtebauliche Erneuerung und den glanzvollen Auf- und Ausbau zur Königsresidenz zu danken hatte: Andreas Schlüter, der „Michelangelo des Nordens“, wie ihn schon einige seiner Zeitgenossen würdigten. Die Berliner Staatlichen Museen ehren ihn vom 4. April bis zum 13. Juli dieses Jahres mit einer umfangreichen Gedenkausstellung in 16 Sälen und Kabinetten des Bode-Museums, die noch ein beträchtliches Stück weit über die bereits sehr eindrucksvolle Präsentation vor fünf Jahrzehnten hinausgreift.

Ihren Initiatoren ging es darum, umfassende Zusammenhänge zu erschließen. Es war ihnen wichtig, darzustellen, was das barocke Berlin Schlüter verdankt, aber auch, aus welchen länderübergreifenden Quellen der Meister geschöpft hat. 1659 (oder ein Jahr später) in Danzig geboren, konnte er bis zu seiner Berufung an den kurbrandenburgischen Hof in Berlin-Cölln im Dienst des polnischen Königs Jan III. Sobieski in Warschau und anderen Orten des Landes bis in das Umfeld von Lemberg erste nachhaltige Anregungen für sein künftiges Schaffen sammeln und erproben. Reiche Leihgaben, die der Kurator der Ausstellung, Dr. Hans-Ulrich Kessler, in Italien, Frankreich, aber auch in deutschen Museen und Sammlungen ausfindig machen konnte, belegen weitere intensive Studien, denen sich Schlüter im Blick auf seine Berliner Verpflichtungen widmete.

Ergreifend lebensnahe „Masken sterbender Krieger“

Ein glückliches Zusammentreffen ergibt sich durch den derzeitigen Wiederaufbau des Berliner Schlosses, an dessen im zweiten Weltkrieg schwer beschädigtem, 1950 in beispielloser Kulturbarbarei des SED-Regimes gesprengtem Vorgängerbau Schlüter entscheidend mitgewirkt hat. Die Ausstellung beleuchtet dieses Thema sehr aufschlussreich, lenkt das Interesse aber auch auf Schlüters Mitarbeit an der Ausgestaltung des einstigen Zeughauses, für das er u.a. seine ergreifend lebensnahen „Masken sterbender Krieger“ schuf. Nicht verschwiegen wird allerdings auch, dass er einige Male durch unzulängliche Baumaßnahmen Anlass zu heftiger Kritik gab, so vor allem beim Bau des Münzturmes, der wegen mangelnder Sicherung des Untergrundes noch während der Bauarbeiten in sich zusammenbrach. Für Schlüter bedeutete diese Fatalität das Ende seines Berliner Wirkens. Er suchte eine neue Wirkensstätte am Hof Zar Peters I. in dessen Residenz im Norden Russlands, verstarb aber bereits ein Jahr nach seiner Übersiedlung.

Unter ihren 230 Exponaten zeigt die Ausstellung einzigartige Kostbarkeiten. Sie gibt aber auch darüber Aufschluss, wie damals herausragende Kunstwerke erarbeitet und gestaltet wurden, und macht mit der renommierten Berliner Gießereiwerkstatt von Johann Jacobi bekannt, der die monumentalen Standbilder und Büsten aus Bronzeguss hergestellt hat. Neben der Kopie des berühmten Reiterstandbildes vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm in der Eingangshalle des Museums, dessen Original sich heute im Hof des Schlosses Charlottenburg befindet, laden einige weitere Bronzebildwerke zur Bewunderung ein, unter ihnen ein Nachguss des 1698 geschaffenen Standbildes von Kurfürst Friedrich III., der sich drei Jahre später als Friedrich I. zum ersten König in Preußen krönen ließ. Interesse finden dürfte auch, dass Schlüter die Kanzel der Berliner Marienkirche sehr aufwändig neugestaltet hat. Einem Bildhauer können die Besucher vor dem Betreten des Bode-Museums unmittelbar bei seiner Arbeit an einer Skulptur des Fassadenschmucks für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses über die Schulter schauen.

Die Ausstellung wird von einem umfassenden Katalogband begleitet, der – von Hans Ulrich Kessler im Hirmer-Verlag herausgegeben – auf 540 Seiten im Großformat neben 450 Abbildungen Beiträge von annähernd zwanzig Autoren zur gesamten Thematik von Schlüters Leben und Werk und seinem geschichtlichen und künstlerischen Umfeld enthält. Gleichzeitig liegt unter dem Titel „Schlüter in Berlin“ ein handlicher Stadtführer vor, der zu ausgedehnten Streifzügen auf den Spuren des großen Baumeisters und Bildhauers einlädt.

 

Wolfgang Hanke

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