Isang Yun bleibt im Brennpunkt

Die Internationale Isang Yun Gesellschaft, die 1996, wenige Monate nach dem Tod des längst weltweit hochgeschätzten koreanischen Komponisten, ins Leben gerufen wurde, setzt ihre umfangreichen Intentionen zur Erforschung und Pflege seines Schaffens konsequent fort. Wenn auch nicht mehr so oft wie in vergangenen Jahren, sind nach wie vor in Berlin und vielen weiteren Orten Konzerte zu erleben, die jeweils mitgeschnitten und in CD-Produktionen veröffentlicht werden.

Vor sechs Monaten übermittelte die Gesellschaft ihren Mitgliedern und einem speziellen Kreis von Interessenten als zehnte Veröffentlichung des eigenen Programms eine weitere CD als Jahresgabe mit drei herausragenden Kompositionen: einem achtstimmigen Chorwerk von 1981 mit Violine und Schlagzeug, „O Licht…“ nach Nelly Sachs und einem buddhistischen Gebet, aufgenommen mit dem Chor des Süddeutschen Rundfunks unter Marinus Voorberg, der Kammersinfonie II „Den Opfern der Freiheit“ aus dem Jahr der Wende 1989 mit dem Ensemble Modern unter Lothar Zagrosek und dem ein Jahr später entstandenen Konzert für Oboe bzw. Oboe d` amore und kleines Orchester mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Heinz Holliger, der zugleich die Solopartie packend gestaltet. In mehrjähriger Abfolge fortgesetzt wird auch die Reihe der von dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Walter-Wolfgang Sparrer, herausgegebenen Almanache „Ssi-ol“, deren Beiträge ein umfassendes Bild vom Leben und Werk Isang Yuns und seinem Schaffensumfeld vermitteln und alle wesentlichen neu erschienenen weiteren Veröffentlichungen sowie aktuelle Konzerte und  Tonträgerveröffentlichungen verzeichnen.

Leider steht das Haus nicht mehr zur Verfügung, das der Komponist 1973 in dem südlichsten Spandauer Vorort Kladow nahe dem Wannsee erwarb. Hier konnte er in landschaftlich wunderbarer Umgebung immer wieder neue Kraft schöpfen und einen beträchtlichen Teil seiner Kompositionen zu Papier bringen. Einige Jahre lud dieses 2008 an die Isang Yun Peace Foundation in Seoul übereignete Idealgrundstück zahlreiche Besucher zu Konzerten, Vorträgen, Kolloquien und Ausstellungen ein. Da es nicht mehr genutzt werden kann, hat sich die Zahl der Veranstaltungen zwangsläufig verringert. Konzerte sind aber auch weiterhin im Joseph-Joachim-Saal der Universität der Künste in dem repräsentativen Bau des einstigen Joachimsthalschen Gymnasiums in der Charlottenburger Bundesallee zu erleben. Im September spielte hier ein junges Ensemble von Mitgliedern des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin und des Bayerischen Rundfunk-Symphonie-Orchesters unter dem Cellisten Mischa Meyer neben Mozarts Flötenquartett KV 285 und den „Bukoliki“ von Witold Lutoslawski drei wesentliche Werke von Isang Yun: das 1968 während seiner Seouler Gefangenschaft entstandene Schlüsselwerk „Images“ für Flöte, Oboe, Violine und Violoncello sowie aus seinen letzten Lebensjahren „Die Hirtenflöte. Chinesisches Bild“ für Flöte solo und das auf Mozarts Spuren geschaffene Quartett für Oboe, Violine, Viola und Violoncello. Für den 11. November lädt die Gesellschaft zu einem weiteren Konzert in den Joseph-Joachim-Saal ein, das dem mit Isang Yun befreundeten Schweizer Komponisten Klaus Huber zu seinem 90. Komponisten gewidmet ist. Neben zwei Werken von ihm aus den 60er und 80er Jahren spielen Mitglieder des „3 G dreigenerationenquartetts“ die 1987 entstandenen „Kontraste“ von Yun für Violine solo und das Spätwerk „Etüde I“ für Violoncello solo.

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